Neuapostolische Kirche

 

KURZ-INFOFORMATION

Die Neuapostolische Kirche, NAK, ist zahlenmäßig die drittgrößte Glaubensgemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland und als klassische Sekte daher von besonderer Bedeutung. Ihre Wurzeln hat die NK in der Bewegung der Katholisch-apostolischen Gemeinden. Diese hatten in England durch "Weissagungen" 12 Apostel und andere Amtsträger berufen und das Zeitalter des zweiten Apostolats eingeleitet und war endzeitlich orientiert. Zu einer Spaltung kam es unter dem katholisch-apostolischen Propheten Heinrich Geyer, der 1860 die "Allgemeine Christliche Apostolische Mission" gründete, aus der sich dann die NK bildete. Im Laufe der Zeit wurden Organisation, Lehre und Gottesdienstgestaltung sehr verändert. Das liegt an den auf Lebenszeit gewählten "Stammaposteln" und ihren jeweiligen Ansichten.

ORGANISATION

Die NK ist streng hierarchisch aufgebaut. An der Spitze steht der Stammapostel, der entweder von seinem Vorgänger bestimmt oder von der Apostelversammlung gewählt wird. Er beruft die Apostel. Mit seiner Zustimmung werden von ihnen die weiteren Amtsträger ernannt.

Folgende Ämter: Stammapostel, Bezirksapostel, Apostel, Bischof, Bezirksältester, Bezirksevangelist, Gemeindeältester, Priester, Diakon und Unterdiakon. Mitglieder spenden den "Zehnten".

LEHRE

Die NK kennt zehn Glaubenssätze und 10 Sakramente. Aufgrund des Apostelamtes hält sie sich für die allein wahre Kirche. Die heutigen Amtsträger gelten als von Jesus Christus und von Gott eingesetzt. Nur der Stammapostel und seine Apostel sind in der Lage, die Bibel auszulegen und Vermittler des zeitgemäßen Willens Gottes zu sein. Sakramente: Taufe, Abendmahl mit Sündenvergebung und Versiegelung als eigentlichem Aufnahmeakt.

KRITIK

Durch ihre Angst machende rigide Auffassung, die allein selig machende Vereinigung zu sein, herrscht nach innen hin ein großer Druck, der durch Verdammungsandrohungen gegenüber Kritikern in den eigenen Reihen verstärkt wird.

HISTORISCHE ENTWICKLUNG

Die Ursprünge der heutigen Neuapostolischen Kirche, NK, liegen in der Katholisch-Apostlischen Kirche. Diese hatte in England zwischen 1832 und 1835 durch Weissagungen 12 Apostel und andere Amtsträger berufen und das Zeitalter des zweiten Apostolats eingeleitet, die baldige Wiederkunft Christi erwartend. Nachdem 1855 die ersten Apostel gestorben waren, beschlossen die Verbliebenen, keine Nachfolger zu berufen. Als im Jahre 1860 nur noch sieben Apostel lebten, gab es in Deutschland Weissagungen, die auf die Berufung zweier weiterer Apostel hinausliefen. Allerdings erhielten sowohl die Berufungen als auch spätere in den Jahren 1862/63 die Anerkennung der Apostel der Katholisch-Apostlischen Gemeinden., sondern führten zu einer Reihe von Ausschlüssen.

Nach diesen Turbulenzen gründeten 1863 der Prophet Heinrich Geyer (1818-1896) und die anderen zwei berufenen Apostel C.W. Preuß und F.W. Schwartz (1815-1895) in Hamburg die "Allgemeine Christlich Apostolische Mission". 1907 wurde dann die Bezeichnung "Neuapostlische Gemeinde" gewählt, was 1930 in NK geändert wurde. Vor allem F.W. Schwartz ist eine rasche Verbreitung in den Niederlanden und in Westdeutschland zu zuzuschreiben. Er wurde zur prägenden Person der NK. Auch äußerlich erfolgte eine Veränderung in der Vereinfachung der Gottesdienste und der liturgischen Gewandung. Fritz Krebs (1832- 1905) übernahm 1895 die Nachfolge von

Schwartz. Er leitete die tiefgreifensten Veränderungen ein: So wurde dem Amt des

Stammapostels als unumstrittenem Führungsamt über allen Aposteln geschaffen und das Amt der Propheten aufgegeben. Seitdem haben die Aussagen des Stammapostels innerhalb der NK denselben Autoritätsgrad wie die der biblischen Apostel. 1905 zählte man bereits 488 Gemeinden. Als der letzte Apostel der Katholisch-apostolischen Gemeinde starb, schlossen sich viele der NK an. 1905 wurde Hermann Niehaus (1848- 1932) zum Stammapostel berufen unter dessen Herrschaft die NK viele Mitglieder gewann. Zu einer Krise kam es, als der Stammapostel Bischoff verkündete, noch vor seinem Tode werde Christus wiederkommen. Mitglieder, die sich weigerten, solchen Unsinn zu verkünden, wurden einfach rausgeschmissen. Als die Wiederkunft ausblieb, Bischoff jedoch 1960 starb, wurde die "tiefe Betroffenheit" erst nach etlichen Abspaltungen und Austritten überwunden.