Universelles Leben

 

HISTORISCHE ENTWICKLUNG

Für die Gemeinschaft des Universellen Lebens e.V. spielt die Person der Gabriele Wittek eine fundamentale Rolle. Als 38 jährige hatte die damalige Hausfrau 1971 angeblich erste so genannte übersinnliche Wahrnehmungen, die sich in den folgenden Jahren dahingehend verstärkten, daß sie glaubte, Botschaften von Jesus Christus selbst zu erhalten. Am 6. Januar 1975 , dem alten kirchlichen Fest der Erscheinung Christi, hatte Frau Wittek in Würzburg angeblich ein Berufungserlebnis, in dem der „Geist Christi“ direkt durch sie gesprochen habe. In den folgenden Jahren hatte sie nach ihren Angaben zahlreiche Visionen und jenseitige Kund-gebungen von Christus und einem Geistlehrer, bzw. Erzengel Emmanuel, die sie an den kleinen Kreis weitergab, der sich um sie versammelte. Thematisch befaßten sich diese angeblichen Botschaften mit dem Aufbau der geistigen Welt und dem neuen Heilsplan Gottes. Ende 1976 erhielt die gesamte Gruppe den Auftrag, die göttlichen Offenbarungen der Öffentlichkeit dadurch zugänglich zu machen, daß „Christuszellen“ gegründet würden. Eine erste Christuszelle traf sich Januar 1977, eine weitere folgte wenige Monate später in Würzburg. In den Orten, aus denen die Mitglieder des Kreises um G. Wittek stammten, fanden im Laufe des Jahres 1977 weitere Gründungen statt: Bad Reichenhall, Burghausen und München. Das wurde dann als Beginn des „Heimholungswerkes Jesu Christi“ angesehen. Immer mehr setzte sich gegenüber anderen Offenbarungsträgern aus dem Kreis Frau Wittek durch, bis sie allein als angebliches „Sprachrohr Gottes“ übrig blieb. Innerhalb des Heimholungswerkes versammelten sich die Gläubigen in der „Inneren Geist = Christus - Kirche“. Durch Einflussnahme eines Professors der Wirtschaftswissenschaften mit Interesse für fernöstliche Weltanschauungen flossen nun hinduistisch, buddhistisches Gedankengut in die Lehren ein und die neu-offenbarerische Sekte wurde kommerzialisiert. 1984 wurde dann das „Universelle Leben e.V.“ gegründet. Durch den Beitritt des Unternehmers Jens von Bandemer standen nun finanzielle Mittel zur Verfügung, welche die Sekte befähigte zahlreiche Projekte wie die „Christusbetriebe“, die Kliniken und den Erwerb zahlreicher Immo-bilien zu verwirklichen. 1988 trat der Millionär jedoch wieder aus. Ebenso verlief der Beitritt der Millionären Betty Käferstein, die nach ihrem Austritt von Bestrafungsaktionen innerhalb der Sektenorganisation sprach.

ORGANISATIONEN

Per „Offenbarungen“, die Wittek übermittelte kam es zu Gründungen von so genannten „Christusbetrieben“, mit deren Errichtung mittlerweile ein recht ansehnliches Wirtschaftsimperium entstand. Ein Auszug daraus: Kosmo Data Abrechnungs-Service GmbH, Schreiner für Sie GmbH, ALL-SEIN Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH, Sanitec Wasser- und Luftreinigungssysteme GmbH, Gut zum Leben Nahrungsmittel von Feld und Hof GmbH, Blühendes Leben, SG schreiben und gestalten, Cosmos Chic, Kosmo Bio-Nahrungs GmbH, ELOGE Elektrik Elektronik GmbH, Das Karussell - Handels GmbH, Rund ums Büro Bürobedarf, AROS Automobil & Reise Service GmbH, Das kleine Hotel, HG Naturklinik Verwaltungs GmbH, Santec-Aufnahmestudio GmbH, „Helfende Hände“, „Wir sind für Sie da“, „EDV FÜR SIE“, eine Liste, die noch kein Ende hat.

DIE LEHREN

Das Zentrale Anliegen der Botschaft Gabriele Witteks ist das Aufzeigen eines „Inneren Weges“ zu Gott. Gott wird als Urkraft verstanden, die den gesamten Kosmos durchflutet und aus geistigen Atomen in höchstem Schwingungszustand (Licht) besteht. Aus der „Urkraft“ manifestiere sich dann erst der persönliche Gott; sodann entstand aus ihm mittels göttlicher Energie, die von einer Urzentralsonne ausgestrahlt werden soll, der „Erstgeborene“ Jesus, dann Satana. Im Laufe der Jahrmillionen sind aus diesem göttlichen Äther weitere Geistwesen entstanden, z.B. der Geistlehrer Emmanuel. Die Abwendung einiger Geistwesen um Satana von Gott führte zur Materialisierung der Ätherformen und zur Herausbildung des sichtbaren Universums - als Zeichen der Abwendung von Gott. Der Mensch besteht entspre-chend diesen Vorstellungen aus einer materiellen Hülle, in die sich die Geistwesen - die Seelen - jeweils reinkarnieren. Die Erde ist dabei ein „Lernplanet“, auf dem sich die Geistwesen bewähren und in einen höheren Schwingungszustand versetzen können, um dadurch wieder in die Göttliche Einheit zurückzukehren. Die Rolle Jesu Christi für die Lehre des Universellen Lebens e.V. besteht vor allem darin, daß Jesus durch seinen Kreuzestod alle menschlichen Seelen mit einem Funken aus dem göttlichen Licht versorgte. Dadurch haben die Menschen die Möglichkeit, den inneren Weg als Aufstieg zu Gott zu beschreiten. Jesus ist damit gar nicht mehr der Erlöser der Menschen, sondern nur noch jemand der die Möglichkeit zur Selbsterlösung brachte. Damit sich die Sekte selbst als „Urchristen“ bezeichnen kann, wird allein die Zeit Jesu und die nach dessen Auferstehung als „urchristlich“ angesehen und selbst Paulus als Verfälscher des Christentums dargestellt. So können die neuen Lehren von Frau Wittek als wahrer „Anschluss“ an das Ur-Evangelium vorgestellt werden. Auch wird die Bibel dann zweitrangig gegenüber den primären Botschaften von Frau Wittek. Auf diesem Wege kann man auch die Lehre von der Reinkarnation als „christlich“ darstellen, weil sie angeblich ursprünglich im Christentum beheimatet gewesen und erst im Laufe der Kirchengeschichte als ketzerisch ausgeschieden worden sei. Krankheit und Behinderung sind dann selbstgewählte Wege einer Seele, um eine Seelenschuld schneller abzubauen. Kein Wunder, wenn dann plötzlich das Vaterunser folgende Gestalt annimmt:

„ Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt ist Dein Name! Unser Reich kommet, Dein Wille geschieht wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibst Duheute und vergibstuns unsere Schuld, und wirvergeben unsern Schuldigern; Du führst uns in der Versuchungund erlöst uns von dem Bösen . Denn unser ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

(Dieser Text des Vaterunsers wurde aufgrund einer „Offenbarung vom Geist unseres himmlischen Vaters vom 19. Juli 1986“ gefasst. Er differiert vom herkömmlichen Text in folgenden Punkten: Er bringt keinen Wunsch oder Ziel zum Ausdruck (wie „geheiligt werde Dein Name“), sondern bejaht einen bestehenden Zustand. Die Sprechenden bezeichnen das kommende Reich Gottes als ihr Reich („denn unser ist das Reich“). Das „Amen“ fehlt bewußt, da darin zuviel Distanz zum Zustand liege.)

Entsprechend der gnostischen Grundlagen der Theologie des Universellen Lebens e.V. können die „Urchristen“ verschiedene Stufen des „Weges nach Innen“ durchlaufen, bei denen ihnen eine „Intensivschulung“ hilft: Die vier Stufen sind zunächst die der „Ordnung“, des „Willens“, der „Weisheit“ und des „Ernstes“. Eine Person, die diese letzte Stufe des Ernstes erreicht hat, gilt als frei von noch vorhandenen Restprogrammen und als vom Rad der Wiederverkörperung erlöst. Die „Prophetin Gabriele“ ist in der Bundgemeinde Neues Jerusalem diejenige, deren Seele bereits im göttlichen Allstrom (dem göttlichen Gesetz) ist, was eine Reinigung der Seele, die dann wieder zum göttlichen Sein wird, vorausgesetzt. Durch diese Stufe des Seins, die die Prophetin erreicht hat, soll sie auch in der Lage sein, Tier-stimmen zu übersetzen und deren Inhalt wiederzugeben. Mit solchen angeblichen Gaben ausgestattet, wird die Sektenführerin automatisch zur Person mit, da alle Aussagen von ihr jeglicher Gegenkontrolle entzogen sind. Damit erreichen Sektenführer in der Regel immer einen Anspruch auf absoluten Gehorsam, den sie auch für sich fordert.

KRITIK

Der Anspruch Witteks steht im Gegensatz zur christlichen Lehre. Die Lehre des Universellen Lebens e.V.(ULe.V.) ist eine gewagte Mischung aus New-Age-Gedankengut, Esoterik, apokalyptischer Prophezeiung, (östlichen) Reinkarnationsvorstellungen und einerUmdeutung christlicher Begriffe. Als besonders problematisch muss neben der wirtschaftlichen Expansion die pädagogische Arbeit des UL e.V. gesehen werden. Der Verein unterhält Kindergärten und eine eigene Grund und Hauptschule. Der idealtypische Bildungs- und Sozialisationsverlauf der Kinder im UL e.V. sieht vor, daß ein möglichst geschlossener Kreislauf von der Wiege bis zur Bahre hergestellt wird. Die Kinder kommen in die eigenen (Ganztags-) Kindergärten, später gehen sie auf die Schule des UL e.V., auch ihre(n) Lebenspartner(in) können sie in der Jugend des UL e.V. finden und mit ihm/ihr zusammen in eine Wohngemeinschaft des Vereins ziehen. So fördert des Universelle Leben e.V. sektentypisch das Denken innerhalb eines geschlossenen Systems. Die Problematik, die vom UL e.V. ausgeht, zeigt sich bereits im Umgang mit der Glaubenslehre. Die Anhänger des UL e.V. betonen, daß man über Glauben nicht diskutieren könne. Die dadurch unkritisch zu übernehmenden Vorgaben sind weitaus enger gefasst, lassen wesentlich weniger Spielraum als in den herkömmlichen Religionsgemeinschaften. Strukturelles Grundproblem ist, daß das, was eine Person sagt, hier vollkommene, nicht hinterfragbare Autorität beansprucht und daß dieser Anspruch innerhalb der Sekte auch durchgesetzt wird. An dieser Problematik würde sich auch dann nichts ändern, wenn die Autorität auf mehrere Schultern verteilt würde. An der Stellung zu dem, was Wittek sagt, bestimmt sich der eigene Stand im Glauben. Darin liegt der Unterschied zu den Kirchen. Bei seriösen, kirchenkritischen Katholiken führen Anfragen an Papst und Hierarchie nicht dazu, am eigenen Glauben zu zweifeln. Vielmehr kann begründete Kritik auch die Kraft zu Erneuerung, Veränderung und Reform freisetzen. Dies aber ist eine Kraft, die es im UL e.V. nicht geben kann, da jede Kritik am „offenbarten Gut“, das von Wittek kommt, an Wittek selbst oder der Führungsspitze gleichbedeutend mit dem Abfall vom Glauben des UL e.V. gleichgesetztwird und damit letztlich „dämonischen Einfluss“ zeige. Es ist daher bezeichnend, daß das UL e.V. auch spezielle Lebensfragen auf dem Wege der Offenbarung löst und so unhinterfragt dogmatisiert. Auf diese Weise kann das UL e.V. an alltäglichen Abweichungen des Lebenswandels von der vom UL e.V. vorgegebenen Lebensform angeblich die Abkehr vom einzig wahren Glauben und damit letztlich vom Heil aufdecken. Dieses enge Verständnis macht den einzelnen in erheblicher Weise vom Gruppendruck abhängig, zumal die Möglichkeit eines Ausschlusses aus der „Bundgemeinde“ durchaus real ist. Das Leben im UL e.V. verläuft weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die wirtschaftlichen Verflechtungen der Sekte sind undurchschaubar und werden nach Meinung von Fachleuten zielstrebig verschleiert. Dazu gehört auch der unduldsame Umgang mit jeder Form von Kritik. Von der Toleranz, die das UL e.V. von anderen Gruppen und insbesondere von den Kirchen einfordert, ist es selbst weit entfernt. So ist es nicht verwunderlich, daß des Oberlandesgerichts in Bamberg im UL e.V. ein „ streng autoritäres und antiliberales Beherrschungssystem“ erkennt. (25.8.1994,9)

KRITISCHE LITERATUR

1.) Wolfram Mirbach: „Universelles Leben“, - Die einzig wahren Christen ?, Freiburg 1996

2.) H.-W. Jungen: Universelles Leben: Die Prophetin und ihr Management,   Augsburg 1996

Im BISTUM FULDA finden wir Niederlassungen des UL e.V. und Kontaktstellen in Fulda, Kassel, Marburg.